Unterschrank

Anleitung zum Selbstbau eines Unterschrankes

Für ein grosses Aquarium sind die im Handel angebotenen Schränke meist recht teuer, ausserdem auch nicht gerade sehr schön. Daher hatte ich meinen Unterschrank selber gebaut. Das System ist recht einfach und auch kostengünstig. Wer möchte kann diesen Schrank gerne nachbauen. Über ein Foto des fertigen Schrankes freue ich mich natürlich auch. Einige Beispiele kann man hier zur Anregung anschauen.

Ein selbst gebauter Unterschrank sollte stabil genug sein, um mindestens das Doppelte des theoretischen Volumeninhaltes eines Aquariums in Kilogramm tragen zu können. Ein Untergestell für ein 500 Liter Aquarium sollte also gut und gerne mit 1 Tonne  zu belasten sein, ansonsten erlebt man bald eine feuchte Überraschung. Wenn man unter diesem Gesichtspunkt einmal die Preise für industriell gefertigte Aquarien - Unterschränken ansieht, scheinen einem die teuren Möbelstücke doch auf einmal nicht mehr so überzogen vorzukommen. Bei genauer Betrachtung der Möbel wird man aber doch feststellen das es sich meist um einfache 16 mm Sperrholzplatten handelt. Diese tragen das AQ, weil der Druck von den doch recht dünn erscheinenden Platten vertikal aufgenommen werden kann.
Sicherlich kann man Gasbetonsteine oder einfache Stahlgerüste als Untergestell nehmen, aber eine filigranere Bauweise macht sich im Wohnzimmer meist besser.

Hier nun die Bauanleitung für einen günstigen Unterschrank, der stabil genug ist und dazu noch gut aussieht.
Als erstes möchte ich betonen das ich hier nun meinen eigenen Unterschrank beschreibe und ich die Maße aus meinen hier vor Ort gegebenen Umständen ermittelt habe.
Sicherlich kann jeder die Maße abändern und anders gestalten. Wie auch immer: Eine Garantie auf  Stabilität oder sonst was anderes übernehme ich nicht. Nur soviel: Ein Becken mit den Massen 168 x 58 x 60 cm, und somit brutto 585 Litern Inhalt steht seit Mitte 99 ohne Probleme auf dem Unterschrank. Einen Stabilitätstest vor dem Belasten mit dem Becken selber hat der Unterschrank mit 10 erwachsenen Männern ohne Probleme stand gehalten.

Als Basis dienen mir zwei Küchenarbeitsplatten a 2,50 m. Die Platten habe ich schon im Baumarkt auf 1,70 m zusägen lassen. Von den jeweils übriggebliebenen Enden habe ich nochmals zwei Stücke von 68 cm abgesägt. Von diesen wiederum sind 2 cm von der hinteren Kante abgenommen worden. Das ist wichtig damit die Seitenteile des Schrankes ein wenig nach hinten verspringen. Es liegen also nun 4 stabile Platten mit folgenden Maßen vor:

  • 2 Platten 1700 x 600 mm
  • 2 Platten  680 x 580 mm

Bei einem Längeren AQ ist eventuell eine dritte Platte nötig, dann kann das Becken bis zu 2,50 m lang sein. Die dritte Platte wird dann in dem Fall für die Seitenteile des mittleren Schrankes benötigt.

Als weiteres Zubehör für den Bau wird benötigt:

  • Ein stabiles, verzinktes Eisenblech mindestens 1,5 mm stark. Maße 740 x 730 mm
  • ODER aber eine präzise zugesägte Platte, welche die Rückwand des Unterschrankes bildet und genau in den mittleren Schrank passt. Bei einigen Nachbauten zu sehen sind auch Platten, die links und rechts vom Schrank zwischen den horizontalen Platten die Rückwand bilden. Hier hat man den Vorteil das der mittlere Schrank hinten für Schläuche und Kabel offen bleiben kann. Wichtig ist die Rückwand halt nur, damit der gesamte Schrank nicht in sich zusammen klappen kann. Das Prinzip dürfte von jedem Kleiderschrank bekannt sein.
  • Zwei oder vier “Tischbeine”. Hier kann man nehmen was der Baumarkt anbietet und einem selber auch gefällt. Es gibt diese auch als massive Rundholzstützen. Sie müssen nur auf die richtige Länge zugeschnitten werden damit sie exakt zwischen die obere und untere Arbeitsplatte passen. Wird die Rückwand hinten an den Seiten angebracht reichen zwei, ansonsten sind vier Stützen notwendig. Ich selber habe mich für Edelstahlrohre entschieden, 40 mm im Durchmesser, gebürstet (die Fläche erscheint etwas matter  und man erkennt nicht sofort jeden “Fettfinger”). Diese sind bei jedem gut sortieren Schlosserbetrieb am Ort zu bekommen.
  • Vier Holz- oder Kunstoffzylinder im Durchmesser dem Innendurchmesser der Edelstahlrohre und mit einer Bohrung mittig in der Längsachse für eine Holzschraube versehen und ca. 40 mm lang. Wenn die Stützen aus massivem Holz gewählt wurden müssen werden diese Zylinder nicht benötigt, die Beine werden dann mit langen Schrauben durch die Platten verschraubt.
  • Zwei Aluminiumtrittbleche oder Holzplatten für die Türen (664 x 327 mm)
  • Vier Scharniere für Innenanschlag (je nach Wahl der Türen Klappscharniere für Innenanschlag oder für Holztüren die bekannten Topfscharniere)
  • Griffe für die Tür
  • 4 Kantenumleimer für Küchenarbeitsplatten (natürlich in der gleichen Farbe der Platten)
  • eine paar Schrauben, einige max. 2 mm lang und weitere Schrauben die eben lang genug sind um Arbeitsplatten zu verschrauben.
  • bei der Wahl der Alublechtüren sind ausserdem metrische Senkkopfschrauben und Muttern zur Befestigung der Scharniere an den Türen notwendig.
  • Holzdübel

Ich hoffe ich habe nichts vergessen. ;-)

Tja, dann kann es ja losgehen:
Als erstes wird eine lange Platte als Grundplatte festgelegt. Nun werden entsprechend der Breite des mittleren Schrankes ein paar Bohrungen für die Holzdübel angebracht. Der innere Abstand zwischen der beiden Linien der Bohrungen sollte minus der Dicke von den Arbeitsplatten (38 mm) in etwa der Breite von den beiden Türen entsprechen.
Genau die gleichen Bohrungen machen wir nun auf der Unterseite der anderen Arbeitsplatte die ja später als Stellfläche für das Becken dienen soll.  Bei der Auswahl von weiteren Arbeitsplatten als Rückwand sind diese Löcher entsprechend an den hinteren Kannten oben und unten der horizontalen Platten anzubringen damit die Rückwand eben mit Holzdübeln fixiert werden kann.
Die kurzen Platten haben wir ja um 20 mm in der Tiefe gekürzt, daher muß darauf geachtet werden das wir beim Bohren der Dübellöcher an den Stirnseiten jeweils von der Hinterkante aus messen. Dadurch ist die vordere Kante beim Zusammenbauen um 20 mm nach hinten versetzt (Detail siehe hier), weil die Platten vorne eine abgerundete Kante haben sieht das einfach besser aus.
Bevor wir nun die beiden kurzen Platten schon mal mit den Holzdübeln und Leim auf die untere Basisplatte aufsetzen sollten wir die massiven Holzstützen von unten her durch die Platte anschrauben oder aber wir können die Kunstoffzylinder für die Edelstahlrohre anbringen. Bei mir sind diese jeweils mittig 125 mm von den Seitenkanten und 100 mm von der Vorder- bzw. Hinterkanten angebracht. Auch hier eben von oben auf der Basisplatte und von unten an der oberen Platte fest schrauben.
Jetzt kommt der große Augenblick: Die Rohre können nun über die Zylinder auf die Basisplatte geschoben werden. Wenn alles paßt und wir sauber gemessen und gearbeitet haben, sollte die oben liegende Stellplatte irgendwie oben drauf passen. Mit leichten Hammerschlägen auf einem Holzklotz dürfen wir von oben ruhig ein wenig nachhelfen. ;-)
Bei einer Stahlblechrückwand kann mit einer sogenannten “Knacke” Löcher für Schläuche und Kabel in die Platte gemacht werden. Diese sollten mit einem Kantenschutz versehen werden (Knacke und Kantenschutz gibt es beim Elektriker). Wichtig ist das dieses Blech dick genug ist, da es als Rückwand das Kippmoment aufnehmen muss. Diese Platte muss nun noch aussen herum mit Bohrlöchern für die Schrauben versehen werden. Die Schrauben, um das Blech nun hinten an die Arbeitsplatten zu schrauben sollten nicht zu kurz sein, eventuell erst anhalten und die Platten durch die Löcher anbohren.
Wer will kann sich nun noch den Innenraum mit einem Einlegeboden trennen. Kommt aber darauf an welche Filter und andere technische Gerätschaften hier untergebracht werden sollen.
Fast fertig, es fehlen nur noch die Türen. Es war gar nicht so einfach die passenden Scharniere für Blechtüren zu finden, da ich die Türen innen anliegend und dazu noch ca.
5 mm von der Vorderkante versetzt angebracht habe. Aber dennoch sollte es die Scharniere im Baumarkt geben, sind jedenfalls in Italien hergestellt und Ferrari steht auch noch drauf. ;-)
Tja, Scharniere und Griffe anbringen und fertig ist der Unterschrank. Zugegeben, man kann einen Unterschrank auch einfacher bauen, aber wenn die Arbeit erst mal getan ist, hat es sich meines Erachtens her gelohnt.

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